Asiaten sind mir von je her suspekt. Die Südossis gehen ja noch, aber mit den Ostasiaten komm' ich irgendwie überhaupt nicht klar. Es sind immer die gängigen Klischees, die mir sofort einfallen, wie z.B. Cage-People, schlechtsitzende blaue Plastikanzüge, die Tageszeitung im Manga-Stil, der kranke Schulmädchenpornoscheiß, fehlende Enzyme und die Tatsache, dass in Japan Handys und Kameras beim Knipsen Töne von sich geben müssen, weil die geilen Gelben damit ständig in der U-Bahn unter Röcke peilen. Und diese Sprache! Phonetisch eine unsympathisch-bedrohliche Mischung aus Klingonisch und den Lauten, die ein Komodo-Waran von sich gibt, kurz bevor er einem ins Bein beißt. Daraus resultierend das Unvermögen, irgendeine Fremdsprache so verständlich zu beherrschen, dass sich niemand beim Zuhören vor Lachen in die Hose pinkelt.
Meine näheren Begegnungen mit Koreanern und Japanern waren bisher immer äußerst schräg. Ich wohnte jahrelang neben einer japanischen Wochenend-Schule und habe immer die armen Würmer bemitleidet, die jeden Samstag und Sonntag von 9 bis 17 Uhr stocksteif an ihren Pulten hockten. Mama und Papa Teefuß warteten immer schon eine Stunde vor Schulschluß bei laufendem Motor in ihren Mersern, BMWs oder Audis, um ihren Nachwuchs sofort in die Karre zu zerren, ohne dass die Kleinen vor der Schultür noch ein Wort miteinander wechseln konnten. Dann habe ich mal für Daihatsu präsentiert, Anzeigenmotive für diesen Elefantenrollschuh namens Move. So was hatte ich noch nie erlebt. Die Typen haben eine Stunde lang nicht im geringsten die Miene verändert. Kein Köpfchen schief legen, keine Augenbrauen heben, kein Zucken, kein Lächeln. Null, absolut null. Ich war völlig verunsichert - lieber hätte ich einem Haufen Taliban-Kämpfern die Unterschiede zwischen Pepsi und Coca-Cola erläutert. Im Urlaub lernte ich mal ein sehr nettes Pärchen kennen. Er war Engländer, sie Japanerin. Keine Ahnung, wie so was funktioniert. Auf jeden Fall lief sie immer in Schwimmweste am Strand lang. Wegen den Tsunamis. Dass das nicht ganz so doof war, sollte ich erst viel später erfahren. Damals empfand ich es als völlig irre und durchgeknallt. Ich besaß mal ein paar ziemlich aktuelle Fuji-Produkte in der Firma und irgendwann besuchte mich eine Delegation Bosse aus Japan, die auf Deutschlandtournee waren. Völlig kranke Nummer. Der Big Cheese stand alleine vor dem Gerät. Seine Untergebenen bauten sich V-förmig hinter ihm auf und flüsterten devot auf seinen Hinterkopf ein. Er selbst quatschte mit der Maschine. Hei. Hei-Hei. Das härteste Erlebnis aber war vor einigen Jahren an Silvester. Der Besitzer der Sushibude, in der ich damals oft rumhing, hatte sich in mich verliebt und mir in den schillerndsten Farben und mit Händen und Füßen geschildert, was für eine Hammer-Silvesterparty bei ihm abgehen wird. Ich habe dann einen Riesentroß von Leuten mühevoll überredet, am Silvesterabend mit mir dort vorbei zu gehen. Statt der erwarteten Tokyo-Nights saßen dort ein Haufen knüppelvoller japanischer Männer in besagten Polyesteranzügen vor dem Karaoke-Bildschirm und brüllten unablässig „Japon! Japon!“. Sayonara, ihr Freaks.
Ich hatte auch noch nie was mit einer Asiatin. Vielleicht habe ich da ja etwas verpasst, aber rein emotional könnte ich genauso gut ein Königspinguin-Weibchen fragen, ob es mit mir in die Kiste hopsen will. Mag vielleicht an meiner etwas konträr-japanischen Physiognomie liegen. Gegensätze ziehen sich an? Naja.
Andererseits bekommt man durch Magazine dann und wann erstaunliche Einblicke in das Privatleben der Fernöstler. Neulich las ich etwas über einen total motorrad-angefressenen alten Japaner, der in seiner 30qm-Bude einen Haufen traumhafter Motorrad-Raritäten hortete - und dort auch restaurierte. Er selbst gab sich mit höchstens fünf Quadratmetern Raum zum Leben zufrieden und war glücklich. Das ist wahrer Enthusiasmus.
Nur so kann ich mir erklären, was ich heute in der neuen MO über die Tokyo Motor Show las.
Ich muss vorher noch etwas ausholen. Retro-Bikes waren in letzter Zeit ziemlich angesagt. Was aber die Typen bei den Traditionsmarken Ducati oder Harley-Davidson da auf die Räder gestellt und mit großen Brimborium präsentiert hatten, schlug mir den Bitumen aus den Adiletten.
Bei den drei Ducati Sport-Classic-Modellen zum Beispiel gewinnt man den Eindruck, dass ein Ingenieur die Geometrie der wunderschönen historischen Vorlagen vermessen und sich dabei vermessen hat, ein anderer Mensch ein paar aktuelle Teile aus dem Regal dranbastelte und man erst 5.000 Stück produzierte, bevor sich irgendjemand mal richtig angeguckt hat, was für unstimmige Missgeburten da vom Band gepurzelt sind.


Da fasst man sich doch an den Kopf. 60er-Jahre-Classic-Look, aber 17-Zoll-Räder, Reifen mit 55er Niederquerschnitt, weit abstehende Auspuffmonsterrohre, Upside-Down-Gabeln und Sitzbänke, auf die zwei Personen passen – nebeneinander. Da nützen auch die verchromten Doppelhupen und die lustigen Kniegummis am Tank nix. Wer so was fährt, steht auch auf Pilotenuhren von Fossil.
Oder Harley. Was waren (und sind) die Sandbahn-XR-Flattracker für wunderschöne, drahtige Sportmotorräder. Eine bodenlose Unverschämtheit, sich explizit in Pressemitteilungen dieser grandiosen Sport-Historie zu bedienen und dann dem Volk ein solch grausames, unförmiges und tonnenschweres Geschwür als Erbe zu präsentieren. Da geht doch automatisch der Zeigefinger Richtung Hals. Wie kann man sich nur selbst so entwürdigen und in Frage stellen?

Und just in dem Moment, wo ich dachte, dass die Retrowelle endlich mangels Inspiration vorbei sei, präsentieren ausgerechnet Nippons Jünger bei Honda dieses geile Eisen:

Ein gelungene Anleihe an die berühmte CB 900 F „Bol d'Or", für die wir KKR-Piloten damals getötet hätten. Anstatt eine kläglich-krumme Kopie zu produzieren, haben die Jungs den schnellen Flügel stimmig neu konzipiert. Luftgekühlt und kein verschämt versteckter Wasserkühler und keine Pseudo-Kühlrippen an den Zylindern. Wie bei der originalen Bol d'Or sitzt man wahrscheinlich „drin" und nicht „drauf", dem bulligen Retro-Vorderbau hat man mit dem filigranen MotoGP-Heck einen neuzeitlichen Kontrast gegeben. Das originale Heck sähe heute nur albern aus. Die Krümmerführung und Endtopf sind gelungen und der schöne Rohrrahmen mit dem mittragenden Motorblock ein Traum. Und Stereo-Federbeine! Schön.
Wenn das scharfe Ding wirklich so auf den Markt kommt, wird es bestimmt ein Schmuckstück auf unseren Straßen sein. Ich persönlich wüsste allerdings nicht, was ich mit einem japanischen Vierzylinder anfangen sollte. Doch, ich weiß was. Ich würde versuchen, einen alten offenen 4-in-1-Marving-Auspuff dranzuschrauben und dann noch mal unseren damaligen persönlichen Drag-Strip runterbrennen. Von der Pommesbude vor der Schule den Kilometer geradeaus runter zur Europa-Bowlingbahn. Auf Zeit und auf jeden Fall den ersten Gang bis in den Begrenzer, das war die Regel. Und ich würde dem japanischen 5-qm-Opi in Osaka eine Postkarte schreiben und ihm davon erzählen. Moshi-Moshi, Opa-San.
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