Idole der Jugend – Vol. III

Ich kann es förmlich spüren: das Klatschen der Händflächen gegen diverse Stirns und das abfällige Grunzen kann ich auch hören. Selbstverständlich ist Otto Waalkes nicht so saucool wie Michel Vaillant und erst recht nicht so sexy wie Baby Jean. Aber wer sagt denn, dass das Idol-Portfolio meiner Jugend nur bis in alle Zeiten großartige Persönlichkeiten beherbergt? Wenn wir alle mit 14 Jahren schon ein untrügliches Gespür für ewige Geilness gehabt hätten, wären wir alle wie James Dean schon längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen.
Zu der Zeit, als erstmals die Otto-Show über die Bildschirme flimmerte, gab es das Wort Comedy oder die Berufsbezeichnung Comedian überhaupt noch gar nicht so richtig. Damals wusste man wahrscheinlich noch nicht, dass man mit geschickt zwischen die Werbepausen platzierte Comedyproduktionen die Zuschauer vorsätzlich in gute Laune und damit in Kauflaune versetzen konnte und es wurde noch nicht inflationär Lustiglustig produziert. Als klassische Komiker galten Dick und Doof, Buster Keaton oder Charlie Chaplin oder solche Typen wie Heinz Ehrhardt oder Hans Moser, die unsere Eltern lustig fanden. Wir eher nicht, weil die auch aussahen wie unsere Eltern. Und die waren alles andere, aber nicht lustig.
Otto war albern und mit Albernheit könnten unsere Eltern so gar nichts anfangen. Wir schon. Kaum ein Mofa-Ausflug, bei dem der Anführende nicht vor Antritt der Fahrt ein „der Kutscher kennt den Weg" aus dem Helm krächzte, und keine Geburtstagsfeier, an der der Gastgeber seine Geschenke nicht mit „Das kann ich doch nicht annehmen. Das kann ich doch nicht annehmen, dass das schon alles ist!" kommentierte. Auf dem Schulhof liefen alle in einer ganz komischen Gangart rum und vom Federmäppchen bis zur Wohnungstür des Hausmeisters wurde alles mit mehr oder weniger gut gelungenen Ottifanten verziert.
Zudem hielten wir Otto für genial, weil er Gitarre, Schlagzeug und auch noch Orgel spielen konnte. Seine One-Man-Shows im Fernsehen waren Pflichttermin und wurden heiß ersehnt, die Platten gekauft, Witze auswendig gelernt und Stimmen imitiert.
Dass mit Otto aber nicht dauerhaft Eindruck zu schinden war, ist mir allerdings damals schon bewusst gewesen. Zu meinem großen Leidwesen hatte ich nämlich eine ziemliche Otto-Look-a-like-Frisur und wer mir bei der ersten Bekanntschaft sagte, dass ich ja aussähe wie Otto, hatte sich damit definitiv und dauerhaft rausgetextet. Da hörte der Spaß nämlich auf.
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