
Donnerstag haben wir zu dritt rund 480 kg Motorradklamotten wieder fein nach Carnet-Liste in Kartons verpackt, die KTM zur Spedition und zum Zoll gefahren und sind in ein verschärftes Guesthouse im Stadtteil Frasnaye gezogen. Die Bude und vor allem deren Besitzerin sind eines Blog oberwürdig, aber dazu später – ich springe einfach mal zwei Tage vor.
Samstag fragte mich Björn, ob ich nicht Bock auf Hubschrauberfliegen hätte. "Wann, wieviel?" "Jetzt, 90 Piepen." "Logo." In Kapstadt gibt es mehrere Heliagencies, aber nur eine hat die originalen offenen Vietnam-Hueys, die zuletzt wohl bei Apokalypse Now eingesetzt wurden. Björn rief da an, und dann sind wir drei ins Taxi zum Hafen. Kohle auf den Tisch und während wir so auf den Lift zum Hangar warteten, fällt mir eine Werbetafel ins Auge. Auf der stand sinngemäß: A. Spannender Flug, B. Gefährlicher Flug, C. Lebensgefährlicher Horrorflug, D. Combat Mission, Kotzen und Ohnmacht guaranteed. Ich guck auf mein Ticket und ratet mal, was wir unwissentlich gebucht hatten. Zu spät.
Am Hangar alles voller Hubschrauber aller Arten. Während wir draußen auf unseren Instructor warteten, hielt neben mir ein Pick-up, die Tür sprang auf und eine Frau im Overall samt ihrem Hund liefen federnden Schrittes in einen Großhelikopter mit Wassersack der Fire Brigade. Sie war der Pilot. Ich hab noch nie so strahlende Augen gesehen und war sofort verknallt. Sie kam später noch zu uns an den Huey und ich hab ein paar Worte mit ihr gewechselt. Nina heißt sie, kommt aus Deutschland und ich hoffe, sie ist nicht verheiratet. Den Hund würde ich adoptieren.



Wir sind dann in die Kantine und haben unsere Instruktionen bekommen. So richtig wohl war uns dabei nicht.

Anschnallen (eh klar), keine losen Gegenstände, die in den Rotor fallen können, und besser Poncho anziehen, weil windig und kalt. Dann hat er noch was über den Ablauf des Fluges erzählt, ich hab aber nicht zugehört, weil ich meine Kamera gecheckt habe. Der Tag war supersauwindig und Nina meinte noch, dass wir uns einen spannenden Tag ausgesucht hätten. Na toll.

Der Huey hob mit Getöse ab, schaukelte wie verrückt und ich bekam erstmal eine fette Ladung Sand und Staub in die Schnauze. Wir flogen dann so über Kapstadt und die Küste und nach 10 Minuten brüllte mir Björn was ins Ohr: Björn: "Gleich beginnt der Combat-Modus" Ich: "Was ist los?" Huey: "45 Grad Neigung, Höllenlärm, Abgang steil nach unten, hartes Abfangen kurz über dem Boden." Wir: "Aaaaaaaaahhh!!" Ich hätte beim Briefing doch besser aufpassen sollen.
Meine Fresse, so etwas hammergeiles hab ich noch nie erlebt. Wir sind in 3 Meter Höhe mit 180 Sachen Feldwege langgeknallt, auf Dünen zu und erst ganz kurz vorher hochgezogen, abgefahrene Manöver geflogen und auf Höhe der Surfer-Mastspitzen über das Wasser gerast, so dass uns die Gischt ins Gesicht gespritzt ist. Das war ja sooo geil. Und dieses Geräusch der Rotoren... wir haben dann später immer auf Hubschrauber geachtet - keiner hat dieses markante, tieffrequente Flap-Flap-Flap der Hueys, was noch viel stärker wird, wenn er beim Manöver Druck auf die Rotoren bekommt. Abgefahren. Der 7,4l-V8-BigBlock unter den Hubschraubern! Man muss sagen, dass wir drei einen Mörderspaß hatten - die anderen allerdings weniger. Naja, so ein bißchen Todesangst schadet keinem, danach kann man das Leben doch wieder richtig genießen. Sogar vollgekotzt. :-)












Nach einer Viertelstunde Rock 'n' Roll sind wir dann wieder einigermaßen waagrecht und in nennenswerter Höhe über das schöne Hafenbecken in den Hangar zurückgeflogen und haben uns nach dem Aussteigen erstmal einige High-Fives gegeben, dem Pilot für unser Überleben gedankt und uns ein kaltes Bier reingezogen.





Hier noch zwei Videos (.avi). Ich weiß natürlich, dass die Dinger Kriegsgeräte waren und nicht alle Beteiligten immer wirklich Spaß damit hatten, aber sorry – ich bin halt ein Junge, da muss man schon mal moralische Abstriche machen.
Huey vor dem StartHuey über dem Wasser – yie-haa!!