Sonntag, Februar 17, 2008

Update.

Neulich habe ich jemand in der Stadt getroffen, der mich ganz verwundert fragte, was ich denn in Gottes Namen hier machen würde – ich hätte doch schließlich ins Gras gebissen und dürfte nach nach biologischen Maßstäben überhaupt nicht ohne fremde Hilfe aufrecht stehen können. Es wird Zeit für ein Lebenszeichen.

Eigentlich ist alles anders hat sich nicht viel getan seit Januar. Trotzdem - hier die Ereignisse der letzten Wochen (in chronologischer Reihenfolge):

1. Ich habe jemanden gefunden, mit dem ich den kümmerlichen Rest meines Lebens verbringen will (habe ich das geschrieben?). Das da dem unteren Bild links gehört nicht dazu, das ist nur der alte Flappmann Torge, aber den liebe ich ja schließlich auch.





2. Die erste offizielle „VEB Plaste & Plattenparty" im Minol war ein Mega-Erfolg. Es war so voll wie schon lange nicht mehr in dem Bums und die Gäste waren und haben saugut aufgelegt. Auch Torge und ich hatten Riesenspaß am Schluß - wir waren aber zugegebenermaßen die allerschlechtesten, weil wir mittlerweile rotzvoll waren und die Plattentitel nicht mehr lesen konnten. Den letzten beißen eben die Hunde.




3. Ich hatte einen beschissenen Bandscheibenvorfall, bzw. den hatte ich wohl schon länger, nur dass er sich jetzt über meinen Ischiasnerv hergemacht hatte. Zahnschmerzen im Arsch und im Bein sind echt nicht lustig und das macht einen mächtig mürbe. Die Auflegerei im Arcari hat mir der verfluchte Knorpel auch versaut: Nachdem ich mit Jörn noch den (sehr lustigen) Altweiberdonnnerstag unter massiver Ibuprofen-Beigabe durchgestanden hatte, konnte ich am Freitag keinen Schritt mehr ohne leisem Wimmern gehen. Bildlich gesprochen, hatte ich wohl in den letzten Monaten zuviel zu (er-)tragen müssen und mir auch zuviel aufgebürdet. Wahrscheinlich fallen deswegen auch meine Rennstreckentage im März in Cartagena ins Wasser.

Aber: Wo Schatten ist, ist auch Licht. An dem ausgefallenen Karnevalssonntag bin ich statt im Arcari Musik zu machen, mit Uta zur Nahrungsaufnahme in eine nahegelegene Kneipe gehumpelt, die ich sonst nie betreten hätte. An der Klotür hing ein Aushang, dass eine Pflegefamilie zwei Mischlingswelpen abzugeben hätte. Ich den einen von beiden habe ich mich sofort schockverliebt und während ich mir gerade die Telefonnummer notiere, kommt der Typ mit genau dem kleinen Scheißer zur Tür herein. Lange Rede, kurzer Sinn:

4. Ich habe jetzt einen Hund.
Ich wollte schon seit ewiger Zeit wieder einen Hund haben, aber das ging bis dato aus verschiedenen Gründen nicht. Das Tier sollte folgende Voraussetzungen mitbringen: a) möglichst ein Stragami (Straßengrabenmischung) sein, b) groß und ein Rüde sein, c) ein schlauer Charakterköter sein, d) mir irgendwie zulaufen, also z.B. angebunden an der Autobahnraste sitzen oder so.

Auf Coffy trifft das alles zu (dass der kleine Köter Coffy heißen soll – so wie der coole 70er Jahre Blaxpoitation-Film – stand schon seit Jahren fest). Coffy ist eine Bardino-Mischung (wahrscheinlich u.a. mit Schäferhund), ca. 4 Monate alt und mit seinem Bruder von einer Tierhilfe aus den Kanaren geholt worden, der Rest des Wurfes wurde abgemurkst. Er ist ein cooler kleiner Drecksack mit einem Dickkopf, der alles übertrifft, was ich bis jetzt erlebt habe. Während er 23 Stunden am Tag ein liebenswerter, gelehriger kleiner Welpe ist, versucht er in der übrigen Stunde jetzt schon, seine Dominanz durchzusetzen. In dieser rauhen Stunde fighten wir auch bei Kleinigkeiten mit allen Mitteln um die Vormachtstellung - und das ist kein Spaß mit so einem wilden Heimkind.







Da er noch nicht stubenrein ist, verändert sich mein Lebensrhythmus momentan gravierend. Ich bin so früh wie noch nie in der Firma, gehe aber um die gleiche Zeit ins Bett. Allerdings relativ nüchtern. Glücklicherweise ist Coffy extrem schußfest - er bleibt sowohl im Stadtgewimmel, auf dem überfüllten Wochenmarkt oder auch bei Caps Geburtstagsparty am Freitag total locker und entspannt. Er hat in nur 5 Tagen schon „Sitz“, „Komm“, „Aus", Ab, Hundeplatz" und Gassigehen gelernt, was bei uns „Coffy to go" heißt. „Nein!" versteht er schon länger, befolgt es allerdings zeitweise nur unter heftigsten Protest, der kleine Punk. Er hat verstanden, dass Betteln, Sofa und Bett tabu sind. Uta, die super mit Hunden umgehen kann, hat er als Betarüden voll akzeptiert. Autofahren liebt er total und döst sofort in seinem Karton, aus dem Fahrradkorb ist er allerdings beim ersten Versuch rausgesprungen, hat sich abgerollt und total staubig und etwas verstört aus dem Dreck aufgerappelt. Alleinebleiben üben wir gerade, 15 Minuten sind schon kein Problem. Auf der Hundewiese ignoriert er Gleichaltrige, und versucht, mit den großen Hunden zu pinkeln, die ihm dann auch mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Schaden kann das jedenfalls nicht.

Mir macht es jedenfalls riesigen Spaß mit meinem neuen Begleiter. Und ich habe auch gelernt, meine Ansprüche an ihn etwas herunter zu schrauben und nicht den Wunderhund zu erwarten. So merkwürdig es sich auch anhört und es befremdlich erscheinen mag, dass auf einmal mein Glück und Bettruhe davon abhängt, dass sich ein kleiner Straßenköter von seinen Verdauungsresten löst: Es gibt einem ein extrem erfülltes und zufriedenes Gefühl, wenn so ein Tier Vertrauen fasst und Zuneigung entwickelt. Mag ein reiner Selbstzweck sein, aber irgendwie auch nicht. Und ich werde mich bemühen, hier im Blog nicht allzu viel Hundecontent zu verbreiten. Versprechen kann ich das aber nicht. Ach ja: Ich will immer noch keine Kinder, vergesst es, dieses Schnitzel ist paniert.

11 Comments:

Anonymous Anonym said...

Wenn Nr.4 die Nr.1 ist, dann sind die Chancen gut, daß das mit dem kümmerlichen Rest klappen könnte. Bei dem Lebenswandel :-)

1:10 nachm.  
Blogger Der edle Jorge said...

Ach wie süß! Ihr seid jetzt also eine Ein-Hund-Familie. Früher hätte ich ja gesagt, Hunde kann man eigentlich nur auf die südchinesische Art mögen, aber ich esse ja schon lange kein Fleisch mehr…

1:14 nachm.  
Blogger creezy said...

Danke, neulich wollte ich schon mal anfragen wohin ich den Kranz senden soll.

1. Das mit der Frau, hatten wir das nicht schon mal? Sah die nicht ein klein wenig anders aus?
2. Bandscheibe: Aua! Tut mir leid. Ehrlich! Äh Junge, nicht auf die leichte Schulter nehmen. Gut therapieren lassen und keine Sitzungen beim Physio auslassen, das wird sonst nicht besser – eher schlimmer.
3. Coffy to go ist jetzt schon zu geil, als das wir nicht stündlich Hundecontent wollten. Hallo? Was sollen jetzt solch Anzeich von Blogintrovertiertheit?
4. Wann fährt er zum ersten Mal Rennen?

3:21 nachm.  
Blogger mekki the mac said...

ES LEEEEEEEEEBT......da haben wir ja noch mal Glück gehabt, was...!?

4:05 nachm.  
Blogger mq said...

Glückwünsche zu allem, was dir in letzter Zeit zugelaufen ist - immer ordentlich füttern und viel Auslauf!

9:41 nachm.  
Blogger zoee said...

na, dann kann ich ja wieder auspacken und die hühnersuppe wegwerfen! ich war gerade auf dem weg zu dir.

fein, dass es dir so gut geht! und schön, dass du alles "im griff" hast! :)

6:27 vorm.  
Anonymous morticia said...

man steini, das schnitzel kinder ist echt paniert? jetzt, wo du endlich HÜBSCHE kinder hättest?????

10:35 vorm.  
Blogger zoee said...

stimmt. so kleine pelzige babies sind wirklich niedlich!

10:55 vorm.  
Blogger Frau Echse said...

glückwunsch!! sowohl uta als auch coffe sehen süß und wohlgeraten aus. ich persönlich hätte nichts über ein paar welpengeschichten einzuwenden.
hauptsache du schreibst wieder!!

1:19 nachm.  
Anonymous Anonym said...

Dann kommsse statt nach Cartagena zu fahren eben im März nach Calafat. So.
Und Hund statt Kinder finde ich total in Ordnung.

4:26 nachm.  
Anonymous Anonym said...

wenn ichs nicht besser wüßte, dann hätt ich ja gesagt, du erzählst von einem kleinkind!
aber sieht schon ganz tofte aus, der pimpf!

10:50 nachm.  

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