Donnerstag, Juni 01, 2006

Häuptling Sitting Bullshit.

Wie langweilig. Der Typ schreibt in seinem Blog dasselbe Zeug, über das alle ständig und ausschließlich reden: Der Job und das Wetter. Aber was soll man schon großes erleben, wenn man bis tief in die Nacht am Schreibtisch sitzt und dabei wie ein Wetterfrosch den Hals zum Fenster streckt - oder wieder einzieht, wenns regnet.

Dabei nimmt das Gefühl, an das Stuhlbein gefesselt zu sein, von Tag und Tag zu. Es wird langsam omnipräsent in der Runkel, es macht mich völlig nervös und ich habe mich gefragt, woher das wohl kommt. Ganz ehrlich: nach einigen echt ökonomisch äußerst rustikalen Jahren müsste ich doch eigentlich froh sein, dass sich in der Bude etwas dreht. Kneipen, Bier und laute Musik gibts in ein paar Wochen auch noch und meine Freunde werden mich im Juli auch noch nicht ganz vergessen haben. Trotzdem habe ich das Gefühl, das Leben rauscht an mir vorbei, während ich den besagten Wetterfrosch mime.

Die Antwort habe ich gefunden: Es ist das Alter. Ich meine, ich habe überhaupt kein Problem mit meinem Alter. Ich fühle mich ziemlich wohl und habe immer noch keinen Gefallen an Volksmusik gefunden. Da ich nie besonders viel Sport getrieben habe, kann ich auch dahin gehend keinen Leistungsabfall feststellen. Und mit dem Sexkram habe ich erst ziemlich spät angefangen, da darf ich nach hinten raus auch bißchen länger.

Aber: Der Verfall der Zellen im Körper geht anscheinend mit einem heftig lauten Geräusch vonstatten, das sich in der Summe wie eine anschwellende Alarmsirene im Kopf anhört. Stichwort vertane Zeit. Die Durchsage zwischen den Sirenenkaskaden heißt: Fahr nicht nur ein hektisches Wochenende mit dem Moped in die Alpen, sondern fahr mit dem Esel weiter und guck dir die Welt da draußen an. Lern Fremdsprachen, solange du deine Muttersprache noch beherrscht. Tu etwas nützliches und mach was, worauf du stolz sein kannst. Entdecke deine verborgenen, verkümmerten oder nicht genutzten Fähigkeiten. Die Voraussetzungen sind eigentlich gar nicht so schlecht. Immerhin bin ich geschickt dem Ehejoch auswichen und muss mich auch nicht um eine Meute hungriger kleiner Brotwölfe kümmern, denen es scheißegal ist, wieviel Länder Papi schon bereist hat, wenn nur der Kühlschrank voll ist und das Taschengeld stimmt.

Ein guter Freund hat mal zu mir gesagt: "Alter, lass gehen. Du hast vielleicht nur noch 10 Sommer. Das ist eine alte indianische Zeiteinheit, und die wissen, wovon sie sprechen". Und das war vor fünf Jahren.

Udo, du weiser Häuptling. Beim großen Manitou, du weißt gar nicht, wie recht du hast.

15 Comments:

Blogger Kühles Blondes said...

steini, ich pack dir schon mal die braunen sandalen und die tennissocken ein. die brauchst du bald. wollen wir uns jetzt langsam anfangen nur noch übers essen zu unterhalten oder gehen wir gleich zu krankheiten über? *g

12:38 AM  
Blogger Kühles Blondes said...

nachsatz: klingt mir übrigens nach einer 1-A-midlife-crisis.
bist du dafür nicht ein wenig spät dran?

11:12 AM  
Blogger das getöse said...

kühle...es ist genau das typische Alter für Männer. 1-A-super midlife-crisis vom Allerfeinsten. Und es ist erwiesen, das das Gelabere von Gott sei Dank keine Frau, Gott sei Dank keine Kinder ganz typisch ist.
Es ist zu späääät. Verpasst! Ich will nicht behaupten, man muss es erlebt haben (ich hätte gern verzichtet) aber die Statistiken beweisen, dass dann in den 40ern das große Loch zum reinfallen kommt.
Klar, und nu schnell her mit den Ersatzbefriedigungen. Und Steini rede dir ruhig ein, wie toll doch alles ist und was du alles noch machen kannst. Frei und ungebunden und dann schau in den Spiegel und frag dich.....ist es das was du willst oder redest du dir was ein???
Abschluss: ist etwas sinnvolles immer, was man für sich tut oder könnte man auch mal etwas für andere Kreaturen tuen? Muss der Mensch immer nur daran denken, wie er für sich etwas Gutes tuen kann oder liegt vielleicht der Knaxus genau darin, seinen Egoismus mal abzustreifen.
Mein Urlaub, den ich brauche, mein Moped was ich brauche, mein...mein...mein
ok..ok..ok...ich hör ja schon auf :-)

11:27 AM  
Blogger Bob said...

Blondi hat es bereits erwähnt. Das Schlagwort heiß: Midlife-Crisis (erscheint gewöhnlich zwischen 35 und 45 Jahren. Bei mir auch im Gange seit ca. 2 Jahren). Man hat das Gefühl etwas verpasst zu haben, wähnt alle anderen im Glück nur man selber zieht irgendwie dran vorbei. Aber die Wahrheit ist doch: Du hast die Wahl! Das was Du tust entspricht der Energie, die Du bereit bist für dein Leben zu investieren. Sich dafür selber zu verdammen ist sinnlos. Tu es oder lass es. Man kann mit beidem zufrieden sein. Wichtig ist nur: Tu etwas das dich glücklich macht. Ob das eine Reise in den Himalaya, eine 300 PS Maschine oder das Stricken von Fussballschals ist, weißt nur Du. Ich persönlich muss z.B. nicht reisen um glücklich zu sein und Fremdsprachen sind mit schon seit der Schule ein Graus. Fazit: Hör in Dich hinein und nicht auf die Stimmen der Welt die Dir sagen wollen was das Richtige ist. Vielleicht ist es ja auch einfach nur Hunger;)

11:28 AM  
Blogger Bob said...

@ getöse

Sorry. Ich will dich nicht schocken aber, das mit dem "zu spät" zieht bei uns leider nicht. Diese Stimmung erscheint auch einem 35 Jährigen und auch mit 45 ist es noch lange nicht zu spät besagte Dinge zu unternehmen. Auch die Vaterschaft ist bei uns nun wirklich nicht das Problem. Und als Ersatzbefriedigung für Kinder würde ich die materiellen Dinge auch nicht bezeichnen. Kinder waren mir z.B. schon immer scheißegal;)) Ich bin immer geheilt so bald ich nur ein paar von den nörgelden Gören sehe und freue mich über meine Kinderlosigkeit:)

11:35 AM  
Blogger das getöse said...

bobbele....wat hätteste jetzt auch anders sagen sollen. Drehe und winde dich....genau das kommt dabei raus...gg*

11:39 AM  
Blogger Kühles Blondes said...

kriegen frauen das auch? kann ich mich impfen lassen?

11:39 AM  
Blogger Kühles Blondes said...

ich hab die lösung für dich steini:
lern golf spielen :)

11:42 AM  
Blogger das getöse said...

MIDLIFE CRISIS
So ab 40 fragen sich viele Männer: Soll so mein Leben weitergehen? War es das schon? "Eigentlich ist alles in Ordnung, aber zufrieden bin ich damit nicht!" fasst vielleicht mancher sein Gefühl mit seinem Leben in Routine am besten zusammen.
Frauen haben durchaus ähnliche Gefühle, aber bei ihnen erklärt man diese dann als Erscheinungen der Wechseljahre, der Menopause. Männer hingegen zeigen kaum so drastische biologische Veränderungen, als dass man bei ihnen von männlichen Wechseljahren sprechen könnte.

Aber wissenschaftliche Erklärungen helfen kaum über die Situation hinweg. Sind doch die Symptome für die Betroffenen so eindeutig. Die Karrierechancen werden plötzlich drastisch weniger, man braucht auf einmal eine Brille, es stört zunehmend die immer deutlichere Glatze, die Falten werden sichtbar, die Leistungsfähigkeit wird spürbar weniger. Scheidungen werden häufiger oder die Folgen vergangener Scheidungen sind spürbarer.

Auf der anderen Seite steigen die Anforderungen ständig. Die Kinder werden größer und anspruchsvoller, die Eltern älter und beginnen gebrechlich zu werden, beides fordert die Menschen um 40 durchaus spürbar. Größere finanzielle Verpflichtungen, wie Erwerb von Immobilien, werden eingegangen und belasten zusätzlich.

Die ersten Freunde oder Bekannten bekommen Herzinfarkte, einige sterben auch schon an Krebs. Der Tod wird konkreter und das Bewusstsein wächst, dass das Leben endlich ist und vielleicht sogar kürzer ist, als man sich das bisher vorgestellt hat.

Mag der Ausdruck "Krise" zwar übertrieben sein, er passt ganz gut für diesen Übergang, der für viele einen kreativen Schub bringen wird, finde ich. Denn er hilft, sich die neue Situation bewusst zu machen und einige Veränderungen einzuleiten. Viele kommen sich in der Mitte des Lebens vor, in einem "Gefängnis" zu leben. Zwar hat man sich dieses Gefängnis mit Routine selbst geschaffen und es ist objektiv auch gar nicht so schlecht darin zu leben, aber man fühlt sich doch eingeengt, vielleicht sogar eingesperrt. Und die Aussicht, darin den Rest seines Lebens verbringen zu müssen, ist wenig motivierend.

Die Perspektiven der Jugend sind entweder schon erfüllt oder sie müssen für immer abgeschrieben werden. Wo sind jetzt die neuen Perspektiven? Nachdem der biologische Sinn des Lebens schon erfüllt ist (für Nachkommen zu sorgen), was bleibt jetzt noch? Wirklich nur ein Buch zu schreiben und einen Baum zu pflanzen?

Viele Männer bemerken auch ein Nachlassen ihrer sexuellen Potenz, auch wenn dies nur langsam geschieht. Sie fürchten sich vor den zwei Tiefpunkten der Männlichkeit, erstens wenn es das zweite mal nicht mehr klappt und dann zweitens, wenn es das zweite mal zum ersten mal nicht mehr klappt.

Es werden Schuldige gesucht, nicht selten müssen dann Familienangehörige, Partner sowohl als auch Kinder, dafür herhalten. Aber auch dieses verbessert die Situation nicht, ganz im Gegenteil.

Die Begrenzungen des Gefängnisses werden gar nicht so klar wahrgenommen, denn es sind nicht nur die Verpflichtungen, sondern inzwischen auch die Gewohnheiten, die fast noch mehr einengen. Gewohnheiten, die aus Erfahrungen entstanden sind und die sich bisher gut bewährt haben und die im Alltag durchaus auch für Effizienz gesorgt haben.

Vielen platzt dann in dieser Situation der Kragen und mit - immer noch - jugendlichem Ungestüm werden dann Impulshandlungen eingeleitet. Neue Partner (mit Scheidung) oder aus dem Berufsleben aussteigen (endlich werden die wahren Berufsträume erfüllt) sind dann häufige Reaktionen oder zumindest häufige gewälzte Gedanken.

Für kurze Zeit mag dies sogar Erleichterung bringen, aber das Problem lag ja weniger im Umfeld, als in einem selbst. Und vor sich selbst kann man so schlecht fliehen. Also werden die revolutionären Ansätze oft gar nicht so erfolgreich sein. Ein sanfter, aber konsequenter, evolutionärer Ansatz erscheint mir nicht nur als der "vernünftigere" Weg, sondern auch als der langfristig wirkungsvollere zu sein.

12:19 PM  
Blogger Bob said...

@ Getöse

Das klingt so als wärst Du ein Mann:) Im Übrigen drehe und winde ich mich mitnichten. Ich analysiere bereits diese und andere Situationen mit professioneller Unterstützung seit über 10 Jahren und glaube mir: So pauschal wie Du es darstellst ist es nicht! Sorry, aber das sind Allgemeinplätze die Du da beschreibst. Das passt auf alle und niemanden. Sicher kann man wunderbar Statistiken aufrufen um das ganze zu untermauern aber es trifft einfach nicht den Kern. Für mich klingt es so als ob DU eine Erklärung für die Unzufriedenheit bei Männern suchst und Paralellen aus eigenen Erfahrungen ziehst aber leider wirst Du Dir das aus Beobachtungen ebensowenig erklären können wie wir uns vorstellen können wie sich eine Periode anfühlt. Das sind einfach 2 unterschiedliche nicht vermittelbare emotionale Welten. Und auch wenn die von Dir beschriebenen Dinge natürlich durchaus so erklärbar sind und wunderbar auf Steinis und auch meine Situation passen, erklären sie noch lange nicht das Gefühl oder die Herkunft dieser Unzufriedenheit. Und die muss man kennen um die richtigen Ratschläge zu geben;) Ne Brille trag ich schon seit ich 8 bin, meine Potenz ist prima und auf Falten freu ich mich;)

12:46 PM  
Blogger Kühles Blondes said...

pssst bobby, komm mal in die ecke *tuschel
pssstpsssstjaa, wenn deine potenz noch in ordnung ist, ist ja wunderbar, aber was ist mit steini? der ist doch nu auch ein paar jahre älter als du. weisst du ob du ihn nicht frustrierst mit deiner angeberei? grade jetzt? *g

1:03 PM  
Blogger das getöse said...

@bob

mensch...zerfleisch mich doch...hau mir die Keule über den Scheitel...sag ich sei saublöde...der Artikel ist aus google kopiert, sonst nichts.

Meine Einstellung, mein denken...ach Gottchen...du würdest durchdrehen und direkt 10 Psychos beschäftigen. 41 Jahre gebalter Müll und immer noch lernfähig.

Dat können wir mal bei einem Schüsselchen Bier auseinander pflücken. Wir schreiben gerade aneinander vorbei. So unterschiedlich denken wir nämlich nicht. Ich wollte doch nur ein bissle zanken...nix böses hatte ich im Sinn.....schnief*

1:18 PM  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Wassen hier los? Nur weil ich das Gefühl habe, dass es noch ein Leben für mich außerhalb von Schreibtisch und Altstadt gibt, wird mir hier eine fette Mittlebenskrise angedichtet. Vielleicht werde ich ja nur langsam weiser (nicht weißer, ihr Witzbolde)? Könnte doch auch sein. Das Leben ist eine Welle. Mit 10 lernt man, mit 20 will man Party machen auf Malle. Mit 30 bastelt man wie wild an seiner Karriere und mit 40 will man halt wieder etwas von der Welt sehen. Normal, oder? Wir leben in Dekaden.

1:58 PM  
Blogger myglobalsoul said...

@Steini
Ja, es gibt eine Welt außerhalb Deines Büros. Und genaue die Frage habe ich mir mit 28 und 32 auch immer mal wieder gestellt. Wenn das meine midlife crisis war dann gute Nacht.
See the world before you leave it!

2:07 PM  
Blogger Der_grosse_Transzendentale_Steini said...

Global, ich dachte, du wärst erst 26?? Mannomann. Vielleicht spült dich deine Midlifecrisis wieder an unsere Gestade zurück. Bei Frauen ist ja sowieso immer alles anders. :-)

4:23 PM  

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